Am Stockey ragt die Friedrichskirche über der Rahmede empor. Eingeweiht wurde sie vor 122 Jahren, am 4. November 1890. In einer Zeit, die von inneren Unruhen geprägt war, stiftete der Bau des Gotteshauses der evangelischen Kirchengemeinde Identität. Vor der Kircheneinweihung fanden die Gottesdienste der 1885 gegründeten Gemeinde abwechselnd in den Schulen Oberrahmede, Mühlenrahmede und Rosmart statt. Damals setzte sich die Gemeinde aus den Bauernschaften Wehberg, Drescheid, Rosmart und Teilen der Bauernschaft Leifringhausen zusammen.

 

Streit um einen zentralen Standort

Ein Jahr nach der erfolgten Gemeindegründung brach offener Streit aus, als es um die Suche nach einer geeigneten Lage für die Kirche ging. Das größte Problem der Gemeinde bestand aus einer enormen räumlichen Ausdehnung und dem Fehlen eines eindeutigen Siedlungsmittelpunktes. Deshalb stimmten große Teile des Presbyteriums und der Gemeindevertretung, für den Standort Stockey. Am 7. Juni 1888 erfolgte die Baugenehmigung für Kirche, Pfarrhaus und Friedhof am Stockey durch das preußische Kultusministerium. Das Grundstück wurde seinerzeit für 4.300 Mark erworben, der Grundstein wurde durch den Architekten Fischer aus Barmen am 16. Mai 1889 gelegt und der Name „Friedrichskirche“ beschlossen. Damit ist die evangelische Kirchengemeinde Rahmede sicherlich eine von wenigen Kirchen Deutschlandweit, deren Gotteshaus einen politischen Namen trägt, und nicht etwa einen religiösen. Hintergrund war ein Schreiben von 1887, in dem der Kirchmeister sich an den bereits vom Tode gezeichneten Kaiser Friedrich III wandte. Dieser solle der „neu zu erbauenden Kirche ein Andenken schenken und der Kirche einen Namen verleihen“. Nach dem Tod Friedrichs wandte sich die Kirchengemeinde an dessen Witwe und bat diese um einen Namensvorschlag, durch den „die Erinnerung an den hochseligen Kaiser Friedrich III in besonderer Weise erneuert würde.“ Eine Antwort ist nicht überliefert, es ist jedoch davon auszugehen, dass die verwitwete Victoria von Großbritannien und Irland in Andenken an ihren verstorbenen Mann „Friedrichskirche“ als Namen vorschlug. Die Kirche selbst wurde als neugotische Hallenkirche ohne Querschiff aus Bruchsteinen mit einer Werksteineinfassung an den Öffnungen gebaut. Rundpfeiler teilen den Innenraum in drei Schiffe und vier Joche ein, deren Gliederung sich außen in den Strebepfeilern fortsetzt. Ein dreigeschossiger Turm mit umlaufenden Gurtgesimsen unter einem eingezogenen achtseitigen Spitzhelm schließt an die Halle an und kann separat durch ein seitliches Portal betreten werden. Die Dächer waren früher in Schiefer gedeckt, heute jedoch mit Dachpfannen und der Turm in Kunstschiefer. Ohne den Turm beläuft sich die innere Länge der Kirche auf 26 Meter, mit dem Turm auf 29,80 Meter. Dabei bietet sie mit 13 Metern innerer Breite Platz für etwa 300 Sitzplätze. Die von vier jeweils 6,10 Meter großen Stützpfeilern getragene Empore bietet außerdem noch Platz für weitere 60 Gottesdienstbesucher, sowie eine Orgel.

 

Altar und Kanzel näher ans Kirchenschiff

Aus der Zeit der Kirchenerrichtung ist nicht mehr alles erhalten – so auch Altar und Kanzel aus dem Einweihungsjahr, die heute nicht mehr vorhanden sind. In einem Gutachten von 1893 wurde eine schlechte Akustik in der Kirche festgestellt. Als Abhilfe wurde vorgeschlagen, den Altar und die Kanzel näher an das Kirchenschiff zu rücken, die Kanzel niedriger zu setzen und den Schalldeckel zu vergrößern. Als dann die erste Orgel am 31. August desselben Jahres zum ersten Mal in der Friedrichskirche erklang, wurde sie sogleich – vielleicht auch ob der Renovierungsmaßnahmen - als „wohlgelungen“ bezeichnet. Im Sommer 1893 wurde das Kircheninnere durch Gustav Schulte aus Altroggenrahmede angemalt.

Timo Ziomkowski, WR vom 13.01.2012